Wissen für die Planung

CO2 als Führungsgröße

Kohlendioxid misst nicht die Luftqualität, sondern wie viele Menschen wie lange in einem Raum sind. Genau deshalb ist es die brauchbarste Führungsgröße für eine bedarfsgeführte Lüftung.

420 ppmtypische Außenluft
1.000 ppmRichtwert der ASR A3.6
2.000 ppmGrenze weitergehender Maßnahmen
10.000 ppmMessbereich EnoSense® CO2

Was die Zahlen bedeuten

Einordnung

Außenluft liegt heute bei etwa 420 ppm. Alles darüber stammt im Wesentlichen aus der Atemluft der Anwesenden. Ein Besprechungsraum mit acht Personen und geschlossenem Fenster erreicht 1.500 ppm in weniger als einer Stunde.

Die Arbeitsstättenregel ASR A3.6 stuft in drei Bereiche: unter 1.000 ppm hygienisch unbedenklich, zwischen 1.000 und 2.000 ppm ist zu lüften, über 2.000 ppm sind weitergehende Maßnahmen zu prüfen. Die DIN EN 16798-1 rechnet stattdessen in Zuschlägen auf die Außenluft und ordnet sie Kategorien zu.

Beide Systeme widersprechen sich nicht, sie beantworten verschiedene Fragen. Die ASR beschreibt, ab wann gehandelt werden muss. Die DIN beschreibt, welche Qualität ein Raum haben soll, und ist damit die Sprache der Ausschreibung.

Kategorie nach DIN EN 16798-1Zuschlag über AußenluftBei 420 ppm außenTypische Nutzung
Kategorie I+ 550 ppmrund 970 ppmhoher Anspruch, empfindliche Nutzer
Kategorie II+ 800 ppmrund 1.220 ppmNeubau und Sanierung, Regelfall
Kategorie III+ 1.350 ppmrund 1.770 ppmmoderater Anspruch, Bestand
Kategorie IVüber 1.350 ppmüber 1.770 ppmnur zeitweise hinnehmbar

Steuern statt dokumentieren

Regelungstechnik

Eine bedarfsgeführte Lüftung fährt den Volumenstrom nach der tatsächlichen Belegung statt nach Zeitplan. In Teillast, also die meiste Zeit, spart das Ventilatorleistung und Heizenergie, ohne die Raumluftqualität schlechter zu machen.

Damit das funktioniert, muss der Messwert aus dem Aufenthaltsbereich kommen, nicht aus der Abluft. In der Abluft mischt sich der Raum mit allem, was auf dem Weg dazukommt; der Wert kommt zu spät und zu geglättet an.

CO2 ist eine träge Größe. Nach dem Öffnen eines Fensters dauert es Minuten, bis der Wert fällt. Eine Zweipunktregelung schwingt darum; angemessen ist ein Regler mit langer Nachstellzeit, der die Totzeit der Strecke berücksichtigt.

Und schließlich: Wo Nutzerinnen und Nutzer selbst lüften sollen, muss der Wert sichtbar sein. Eine Ampel oder eine Anzeige im Raum ändert Verhalten, ein Messwert in der Gebäudeautomation nicht.

Taugt das für eine Schule? Gerade dort: In einem Klassenraum sitzen mehr Menschen auf weniger Fläche als in einem Büro, der CO2-Wert steigt entsprechend schneller, und gelüftet wird meist über das Fenster statt über eine Anlage. Dann ist die Anzeige im Raum nicht Beiwerk, sondern das eigentliche Werkzeug: Sie sagt der Klasse, wann zu lüften ist, und dem Träger hinterher, ob es gewirkt hat. Dasselbe gilt für Kitas, Hörsäle und Besprechungsräume.

Für Bestandsgebäude kommt hinzu, dass funkbasierte Geräte ohne neue Leitungen auskommen – eine Sommerferienzeit reicht für die Montage. Und wo Schulräume im Erdgeschoss oder Untergeschoss liegen, gehört die Radonfrage mit auf den Tisch; unser Referenzprojekt dazu ist eine Hochschule mit 70 überwachten Bereichen.

MessortIm Aufenthaltsbereich1,2 bis 1,8 m über dem Boden, nicht neben der Tür, nicht im Zuluftstrahl und nicht in der Abluft.
RegelungLangsam statt scharfCO2 folgt der Belegung mit Verzögerung. Ein Regler mit langer Nachstellzeit hält den Wert ruhiger als eine Schaltschwelle.
SichtbarkeitAmpel oder AnzeigeWo die Nutzung das Lüften übernimmt, gehört der Wert in den Raum. Als farbige Ampel oder als Zahl auf einer Raumanzeige.

Wie genau misst ein CO2-Sensor?

Auswahl

Der EnoSense® CO2 deckt 0 bis 10.000 ppm ab und misst Temperatur und relative Luftfeuchte mit. Er arbeitet mit Solarzelle und zwei AAA-Zellen, die im Lieferumfang enthalten sind. Der EnoPuck® CO2 deckt 0 bis 2.550 ppm ab, bringt einzeln dimmbare RGB-LEDs als Ampel mit und wird über ein Steckernetzteil versorgt.

Die EnoSign® CO2/Temp/rH zeigt die Werte eines beliebigen Sensors aus dem System an, ohne selbst zu messen und ohne Leitung. Das ist die Variante für Räume, in denen der Messort und der Ort der Anzeige nicht derselbe sind.

Wie genau der Sensor misst: Typisch sind ± 30 ppm plus 3 Prozent vom Messwert, zugesichert höchstens ± 45 ppm plus 3 Prozent; die Angaben stehen im Datenblatt des Geräts. Bei 1.000 ppm sind das typisch rund 60 und höchstens 75 ppm – für eine Lüftungsentscheidung reichlich genau, für einen Vergleich zweier Sensoren im selben Raum eine Größe, die man kennen sollte.

Zur Kalibrierung: Eine automatische Nachführung ist bei unseren Sensoren nicht aktiviert. Der Abgleich wird bewusst am Gerät ausgelöst, über den Servicetaster; den Ablauf beschreibt das Handbuch, dazu gibt es kurze Filme. Das gehört damit in den Wartungsplan – und bei Räumen, die nie gelüftet werden, in die Auslegung.

Messbereich und Anspruch passen zusammen. Für die Regelung eines Büros reichen 2.550 ppm. Wo Spitzenwerte dokumentiert werden sollen, ist der größere Bereich die sicherere Wahl.

Wie viele CO2-Sensoren brauche ich?

Dichte und Montage

Wie viele CO2-Sensoren eine Fläche braucht, lässt sich belegen statt schätzen: Zwei internationale Standards schreiben eine Messgerätedichte vor, und beide landen in derselben Größenordnung. Für ein Großraumbüro mit 200 Quadratmetern ergibt sich daraus ein Gerät – als Untergrenze.

WELL v2 verlangt in Feature A08 mindestens ein Messgerät je 3.500 Quadratfuß belegbarer Fläche, also je rund 325 Quadratmeter. RESET Air für Commercial Interiors geht anders heran: ein Gerät je regelmäßig genutzter Raumart, zusätzlich begrenzt auf 500 Quadratmeter Reichweite je Gerät. Ein Besprechungsraum zählt dort also eigenständig, auch wenn er klein ist.

Die Untergrenze ist damit nicht die Antwort für jede Fläche. Wo sich die Nutzung innerhalb eines Raumes unterscheidet – Besprechungsecke, Teeküche, Empfang –, ist das eine eigene Zone, und die will einzeln gemessen werden. Rechnen Sie deshalb mit einem Gerät je Nutzungszone und prüfen Sie die Flächengrenze als zweite Bedingung.

Zur Genauigkeit: WELL fordert für CO2 zehn Prozent bei 750 ppm. Der EnoSense® CO2 liegt dort auch mit seinem Maximalwert bei 9,0 Prozent, typisch bei 7,0 Prozent. Das Messintervall von höchstens zehn Minuten hält er mit fünf Minuten ebenfalls ein. Den vollständigen Nachweis gegen beide Standards, Zeile für Zeile, finden Sie hier: WELL und RESET im Einzelnen →

VorgabeWELL v2, Feature A08RESET Air CI v2.0
Dichteein Gerät je 325 m² (3.500 ft²) belegbarer Flächeein Gerät je Raumart, höchstens 500 m² Reichweite je Gerät
Montagehöhe1,1 bis 1,7 m über dem fertigen Boden0,9 bis 1,8 m, an der Wand und zentral im Raum
Abstandmindestens 1 m von Türen, öffenbaren Fenstern und Zu- oder Abluftöffnungenmindestens 5 m von öffenbaren Fenstern, Filtern und Zuluftdurchlässen
Messintervallhöchstens 10 Minuten für CO2fortlaufend, mit Meldung an die Auswertung
Genauigkeit CO210 Prozent bei 750 ppmnur akkreditierte Geräte der Klasse A oder B
Was die Standards zusätzlich verlangen: Beide Standards sind mit CO2 allein nicht erfüllt. WELL A08 fordert mindestens drei der sieben gelisteten Messgrößen; Partikel und VOC messen unsere Geräte nicht. RESET Air verlangt PM2.5 und TVOC und lässt nur akkreditierte Messgeräte zu, die RESET in einer eigenen Liste führt. Für die Dichte, die Montage und das Intervall sind die Standards aber unabhängig davon der beste Maßstab – auch für ein Projekt, das keine Zertifizierung anstrebt.

Was das für Ihre Ausschreibung heißt

8 Punkte
  • Zielkategorie nach DIN EN 16798-1 benennen statt einer nackten ppm-Zahl.
  • Messbereich und Genauigkeit fordern, passend zum Anspruch des Raums – typisch sind ± 30 ppm plus 3 Prozent vom Messwert.
  • Den CO2-Abgleich als Wartungsleistung benennen: Er wird am Gerät ausgelöst und läuft nicht automatisch – besonders wichtig bei Räumen, die nie gelüftet werden.
  • Messort je Raum festlegen: Höhe, Abstand zu Tür, Zuluft und Fenster.
  • Messgerätedichte benennen: ein Gerät je Nutzungszone, als Flächengrenze die 325 m² aus WELL A08 oder die 500 m² aus RESET Air.
  • Schwellen und ihre Wirkung festlegen: Volumenstrom, Meldung, Anzeige im Raum.
  • Angeben, ob eine sichtbare Anzeige oder Ampel im Raum verlangt ist.
  • Versorgung festlegen: Solar mit Batterie oder Netzteil.
Stand und Quellen

Stand der Angaben: 16.09.2026. Regulatorische Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und ersetzen keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist immer der Wortlaut der jeweils geltenden Fassung.

  • Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“, Bewertung der Kohlendioxidkonzentration.
  • WELL v2, Feature A08 „Air Quality Monitoring and Awareness“, Part A08.1, Fassung Q4 2021: Dichte, Montage, Intervall und Genauigkeit.
  • RESET™ Air Standard for Commercial Interiors v2.0 vom 31.01.2018, Abschnitt 2.2.6 (Montage) und 2.2.7 (Berechnung der Gerätezahl, Reichweite 500 m²).
  • DIN EN 16798-1, Kategorien der Raumluftqualität über den Zuschlag zur Außenluftkonzentration.
  • Messbereiche aus den Datenblättern EnoSense® CO2 und EnoPuck® CO2.

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